Wer wenig schläft, hat nicht nur einfach mehr Zeit zum Essen, sondern Schlafentzug erhöht den Appetit und den Hunger.
In einem Experiment schliefen Versuchspersonen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils nur 4 Stunden (1). Dieser Schlafmangel führte zu einer Appetitsteigerung um 23 Prozent bzw. einer Zunahme des Hungergefühls um 24 Prozent. Anhand der Hormon-Bestimmung von Ghrelin (Appetit-Hor gergefühls) war es möglich, diese Veränderungen mit denen bei einer kalorienreduzierten Diät zu vergleichen. Die Zunahme des Hungergefühls unter dem Schlafentzug entsprach fast exakt der Zunahme, die nach drei Tagen unter einer 900kcal-Diät beobachtet wurden (1).
Epidemiologische Untersuchungen bestätigen zudem: je kürzer die Schlafdauer, desto höher das Risiko für Übergewicht. Im Detail bedeutet das, eine Schlafdauer von deutlich weniger oder mehr als 7,7 Std. ist mit einem Anstieg des Body-Mass-Index verbunden (2). Personen, die während der Arbeitswoche weniger als 6 Stunden schlafen, haben ein signifikant höheres Risiko, übergewichtig zu werden als Personen, die 8 Stunden oder mehr schlafen (3).
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Literatur:
- Spiegel K, Tasali E, Penev P, Van Cauter E. Brief communication: Sleep curtailment in healthy young men is associated with decreased leptin levels, elevated ghrelin levels, and increased hunger and appetite. Ann Intern Med. 2004 Dec 7;141(11):846-50.
- Taheri S, Lin L, Austin D, Young T, Mignot E. Short sleep duration is associated with reduced leptin, elevated ghrelin, and increased body mass index. PLoS Med. 2004 Dec;1(3):e62.
- National Sleep Foundation 2008; SLEEP IN AMERICA POLL
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Hohe Plasmaspiegel von Ghrelin werden als Auslöser/Initiator der Nahrungsaufnahme angesehen, während der Mahlzeiten sinken die Ghrelinspiegel dann wieder. Die Mobilisation freier Fettsäuren, insbesondere hohe Plasmaspiegel scheinen die Ghrelin-Konzentration zu reduzieren (Gormsen et al. 2006; Eur J Endocrinology).
Diese Stoffwechselveränderungen liefern möglicherweise eine Erklärung für folgende alltägliche Beobachtung: Einige Stunden nach der letzten kohlenhydratreichen Mahlzeit entwickelt sich aufgrund absinkender Blutzuckerspiegel ein zunehmendes Hungergefühl. Erfolgt keine Nahrungsaufnahme, so nimmt das Hungergefühl überraschend im weiteren Zeitverlauf wieder ab. Scheinbar kommt es in dieser Phase zu einer Umstellung der Substratverwertung mit einem größeren Anteil der Fettverbrennung an der Energiebereitstellung. Damit einhergehend wird ein Anstieg der freien Fettsäuren (FFA) beobachtet. Diese Zunahme der FFA-Konzentration führt zur Reduzierung der Ghrelinspiegel und damit zu einem nachlassenden Hungergefühl.

Abgeleitet aus dieser Beobachtung wäre es denkbar, dass alle Zustände, die die FFA-Konzentration erhöhen, wie z.B. langandauernde sportliche Belastungen, das Hungergefühl reduzieren. Für langandauernde sportliche Aktivitäten ist dies beschrieben. Das nachlassende Hungergefühl wird aber bisher im Wesentlichen auf andere Veränderungen zurückgeführt (siehe auch: Martins 2008; Proceed Nutr Society).
Aber auch eine pharmakologische Beeinflussung, z.B. mit Heparin, Natriumbicarbonat, Hydroxycitrat, Chrom, Coffein oder Grünteeextrakt, die alle eine Erhöhung der FFA-Konzentration bzw. eine erhöhte Fettoxidation bewirken, könnte demnach zu einer Abnahme des Hungergefühls beitragen.
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